Ein schwerer Reitunfall erschüttert Gillian und Jamie. Während ein junges Mädchen im Krankenhaus um ihre Gesundheit kämpft, muss auch ihr Pferd lernen, das Erlebte zu verarbeiten.
Ich musste nach Jarlaheim. Jamie wollte mich begleiten.
Gillian: „Schön, dass Du mich nach Jarlaheim begleitest. Wir könnten ja auch noch etwas essen gehen.“
Jamie: „Na das nenn ich ja mal eine direkte Einladung zu einem Date. Wäre sowieso schon längst mal wieder fällig.“
Es war ein gemütlicher Ritt. Kurz vor Jarlaheim sahen wir vor uns ein Pferd galoppieren.
Gillian: „Was ist das da vorne? Oh nein, der Reiter ist gestürzt und scheint sich im Zügel verfangen zu haben. Jamie schnell! Wir müssen das Pferd stoppen.“
Jamie: „Wir müssen uns beeilen, Gillian. Das sieht nicht gut aus! Ich versuch ihn zu überholen, dann schneide ich ihm den Weg ab!“
Jamie ritt dem Pferd hinterher. An einer Abzweigung gelang es ihm das Pferd zu stoppen.
Jamie: „Hoo Kleiner, alles gut ... ruhig. Du brauchst keine Angst mehr zu haben.“
Gillian: „Der Reiter scheint bewusstlos, hoffentlich lebt er noch. Ich ruf einen Rettungswagen und kümmere mich um ihn. Schau Du nach dem Pferd und versuch es zu beruhigen.“
Die Reiterin war ein junges Mädchen im Teenager-Alter. Sie war bewusstlos, hatte schlimme Abschürfungen - vor allem im Gesicht und ein Bein sah sehr verdreht aus. Hoffentlich hatte sie keine weiteren schweren Verletzungen. Der Notarzt kam zum Glück sehr schnell, versorgte sie und nahm sie mit ins Krankenhaus.
Gillian: „So etwas Schlimmes hab ich noch nie gesehen. Zum Glück lebt sie. Ich hoffe, sie wird wieder ganz gesund.“
Jamie: „Manchmal kann von einer auf die andere Sekunde etwas passieren, womit man nicht rechnet. Lass uns das Beste hoffen. Ihr Pferd nehmen wir erstmal mit.“
Die Eltern sollten informiert werden. Vielleicht wusste Claire etwas, das Pferd kam sicher aus dem Jorvik-Stall. Ich hatte gleich mit Claire telefoniert. Sie kannte das Pferd und auch die Besitzer, Familie Middleton. Das verunglückte Mädchen war ihre Tochter Lisa. Eigentlich war es ihr verboten mit Boulder alleine auszureiten, aber wer von uns kennt das nicht ... ein Mädchen + ein Pferd = als Team unschlagbar. Auch ich machte früher als Reitermädchen Dinge, die meine Eltern bis heute nicht wussten. Aber ich glaube für Lisas Eltern spielte das jetzt sowieso keine Rolle. Wir hatten Boulder erst einmal in eine Box gestellt.
Gillian: „Er kommt wirklich aus dem Jorvik-Stall. Sein Name ist Boulder. Claire hat die Eltern der Kleinen informiert. Ich hoffe, wir erfahren bald etwas über ihren Zustand. Boulder ist total nervös. Er frisst und trinkt nicht.“
Jamie: „Er ist traumatisiert. Stell Dir vor wie es ist, wenn der Reiter - der die Führung hat, plötzlich nicht mehr da ist, dafür ein Gewicht an den Zügeln hängt, das er nicht los wird. Er versucht davor zu flüchten, aber es gelingt ihm nicht.“
Claire hatte mit den Middletons gesprochen. Lisa hatte großes Glück, bis auf einen Beinbruch, starke Prellungen und Abschürfungen, war ihr nichts passiert. Es würde zwar einige Wochen dauern, aber sie würde wieder ganz gesund werden. Mir fiel ein Stein vom Herzen. Das musste ich gleich Jamie erzählen.
Jamie: „Ja ... endlich! Flieg in meine Arme, herzallerliebste Gillian!“
Gillian: „Lass den Quatsch! Claire hat angerufen, Lisa wird wieder gesund. Ich bin so froh!“
Aber mir war auch klar geworden, wie schnell etwas passieren kann, was das ganze Leben verändert. Deshalb bekam Jamie auch eine Umarmung. Claire wollte sich um Boulder kümmern und sein Trauma behandeln, so dass er bis zu Lisas Genesung wieder reitbar wäre. Claire begann mit Boulder zu arbeiten. Gelassenheitstraining zum Vertrauensaufbau. Es dauerte eine Weile, bis Boulder offener wurde. Irgendwann hatte Claire es geschafft. Das Pferd nahm von sich aus Kontakt zu ihr auf und suchte ihre Nähe.
Claire: „Ich glaube, so gelassen warst Du noch nie, Boulder. Du kannst mir vertrauen.“
Gillian: „Kein Vergleich zu den ersten Tagen als er herkam.“
Claire bat mich, Boulder zu reiten. Ich war unsicher, machte es aber trotzdem.
Gillian: „Warum sollte ich ihn eigentlich reiten? Richtig wohl dabei fühle ich mich nicht.“
Claire: „Genau aus diesem Grund reitest Du ihn jetzt. Ich hab ihn die letzten Wochen am Boden gearbeitet und bin ihn auch geritten. Wenn Lisa wieder anfängt ihn zu reiten, wird sie anfangs auch unsicher sein. Er soll wissen, dass das nichts Schlimmes ist.“
Lisa kam Boulder besuchen. Laufen konnte sie wegen des gebrochenen Beines noch nicht. Die Schürfwunden heilten langsam, waren aber noch deutlich zu sehen.
Lisa: „Oh Boulder, Du fehlst mir so sehr mein Junge.“
Gillian: „Ich bin so froh, dass es Dir wieder besser geht, Lisa. Claire hat ganz viel mit Boulder gearbeitet und wir glauben, er ist wieder bereit für Dich.“
Claire: „Und wenn Du wieder ganz gesund - und bereit für Boulder bist, kommst Du und wir arbeiten daran, dass Du bald wieder auf ihm reiten kannst. Bis dahin kommst Du ihn besuchen wann immer Du willst.“