Mit Thorn kommt ein ganz besonderes Jungpferd nach Meadowland. Seine Ausbildung soll ihn eines Tages zu einem verlässlichen Therapiepferd machen – eine Aufgabe, die viel Feingefühl verlangt.
Vor ein paar Tagen war ein neues Berittpferd auf Meadowland angekommen. Er hatte sich eingewöhnt und das Training konnte beginnen.
Gillian: „Claire, würdest Du heute mit Thorn anfangen. Longieren kennt er, sonst hat man noch nichts mit ihm gemacht. Wir können in den nächsten Tagen die Reitarena nutzen, die ist frei.“
Claire: „Ich packe alles zusammen was ich brauche und verlade Thorn in den Anhänger. Dann kann es losgehen.”
Thorn war ein 4-jähriger Tennessee Walking Wallach. Das Pferd gehörte zu zu einer Reha-Farm, die sich auf Menschen mit körperlichen Einschränkungen spezialisiert hatte. Durch sein nervenstarkes und ruhiges Gemüt, würde sich Thorn sehr gut für diese Arbeit eignen. Auf Meadowland sollte er eingeritten werden. Anschließend kam er in einen weiteren Ausbildungsstall für Therapiepferde, bevor er auf der Reha-Farm mit Menschen arbeiten würde. In der Reitarena führten wir Thorn erst einmal herum und ließen ihn eine Weile frei laufen, damit er sich mit der ungewohnten Umgebung vertraut machen konnte.
Claire: „Jetzt gewöhnen wir ihn erst einmal an die Decke. Ich hab ihn erst daran riechen lassen und jetzt streife ich damit über seinen Hals und seinen Rücken. Wenn er das akzeptiert, versuche ich sie aufzulegen.“
Gillian: „Also schmecken tut sie ihm jedenfalls, so wie er daran rumgeknabbert hat.“
Die Satteldecke akzeptierte Thorn sehr gut. Problemlos ließ er sich damit führen und longieren. Am nächsten Tag meinte Claire, wir könnten jetzt anfangen Gewicht auf seinen Rücken zu bringen. Hierzu hatte sie einen Sack mit Heu und etwas Hafer gefüllt. Thorn durfte wieder erst eine Geruchsprobe machen. Geblendet von dem Duft, merkte er gar nicht wie Claire den Sack auf den Rücken legte. Er blieb gelassen, versuchte aber anfangs an den leckeren Inhalt zu kommen. Mit dem Sack funktionierte es richtig gut. Auch wenn Thorn immer mal wieder versuchte an das Heu zu kommen. Das Gewicht schien ihn gar nicht zu interessieren. Claire führte ihn und drehte sich nicht einmal um. Ab und zu fragte sie nur
Claire: „Alle noch da? Sack noch drauf?“
So zogen wir Runde für Runde durch die Reitarena. Erst im Schritt, dann im Trab. Als Claire auch noch meinte, einen Galopp zu versuchen, trat ich in Streik ... ich war fix und fertig! So ließ sie es für heute gut sein. Am Tag darauf wollten wir es mit einem Sattel versuchen.
Claire: „Siehst Du, wie neugierig er ist? Wenn er genug gerochen hat, legen wir den Sattel ganz vorsichtig drauf. Den Gurt lassen wir erst mal weg.“
Zwei Tage später.
Claire: „Ist das nicht Wahnsinn, wie schnell er das geschafft hat? Er ist so gelassen, wird sicher ein gutes Therapiepferd.“
Wir hatten es schon sehr weit geschafft. Thorn ließ sich nun komplett gesattelt und aufgetrenst longieren. Er machte bei allem so gut mit. Jetzt war es an der Zeit das Reitergewicht kennenzulernen und sich mit Reiter auszubalancieren. Nicht ganz ungefährlich, aber für Claire schien es Routine zu sein. Morgen würden wir beginnen.
Claire: „Ich übe jetzt erst mal nur leichten Druck auf den Rücken aus. Das steigere ich dann und lege mich leicht über seinen Rücken. Erst wenn er das gut annimmt, steige ich vorsichtig auf.“
Gillian: „Sei aber vorsichtig, Claire.“
Das war unser Tagesziel. Claire steigerte das Gewicht auf Thorns Rücken, legte sich darüber, gab Druck auf die Steigbügel und letztendlich konnte sie aufsteigen. Wir machten zwischendurch viele Pausen und ließen Thorn frei laufen. Er war ruhig und suchte den Kontakt zu uns. So sollte es sein, wir wollten keinen Fehler machen, damit er den Reiter als etwas positives kennenlernte. Claire hatte es geschafft. Sie trainierte und übte mit Thorn alle Gangarten, damit er lernte sich entsprechend mit Reiter auszubalancieren und die Hilfen kannte und verstand, die der Reiter gibt. Als Claire entschied, dass Thorn soweit war seine Ausbildung anderswo fortzusetzen, rief ich seinen Besitzer an.
Besitzer: „Gillian, vielen Dank. Sie haben einen tollen Job gemacht. Jetzt geht es für Thorn weiter zur Therapieausbildung.“
Gillian: „Claire hat wirklich Fantastisches geleistet. Wir waren sehr achtsam um ihn keinesfalls zu überlasten. Er wird ganz sicher ein verlässliches Therapiepferd.“
Claire: „Nicht nur ich, auch Thorn hat Fantastisches geleistet!“
Die Ausbildung von Thorn war für uns etwas Besonderes. Irgendwann würde er einen Job übernehmen, für den er mit seinem Charakter perfekt war.