Der ältere Schwarzwälder Fuchs Antino wird von allen unterschätzt – bis Gillian beschließt, ihm die Bühne zu geben, die er verdient. Manchmal erkennt man Besonderes erst auf den zweiten Blick.
Reyansh, der Kaltbluthändler aus Valedale hatte am Morgen angerufen. Er hätte einen Wallach, der zwar schon etwas älter wäre, aber ein absolut sicheres, gut gerittenes Pferd. Er stand schon über ein Jahr bei ihm und bisher hatte sich niemand für ihn interessiert. Reyansh fragte, ob wir ihn auf Meadowland aufnehmen könnten. Für ihn gab es nur eine andere Alternative und über die wollte er gar nicht erst nachdenken. Und ich auch nicht, deshalb holte ich das Pferd auf die Ranch. Ich wollte ihn gleich reiten und ging mit ihm in die Arena.
Jamie: „Hey Ma’am, wen oder was reiten Sie da?“
Gillian: „Sir, es schickt sich nicht Damen einfach von hinten anzuquatschen! Ich reite einen Schwarzwälder Fuchs, namens Antino.“
Später bei Antinos Box.
Jamie: „Ist er zum Korrektur-Beritt hier? Was für ein Problem hat er?“
Gillian: „Er hat das Problem, dass er den Leuten zu alt ist und ihn niemand mehr mit seinen 16 Jahren haben will … niemand, außer mir!“
Reyansh kam vorbei und erzählte, dass Antino eine sehr gute Dressurausbildung hätte. Das wollte ich gerne austesten. Antino lief wie am Schnürchen und meisterte jedes Element mit Bravour. Jamie kam dazu.
Gillian: „Läuft er nicht fantastisch? Reyansh hat mir gerade erzählt, Antino ist in Dressur ausgebildet und anscheinend hat er nichts verlernt.“
Jamie: „Es sieht aus, als liebe er diese Herausforderung. Scheint ihm richtig Spaß zu machen.“
Reyansh: „Antino ist das erste und einzige Kaltblut auf Jorvik, dass in Dressurwettbewerben der Klasse M antrat und erfolgreich war. Trotz seiner Masse hatte er Eleganz und Schwung.“
Jamie: „Das hat er immer noch, schau Dir an – wie fleißig er mitmacht. Da könnte sich so manches jüngere Pferd eine Scheibe abschneiden.“
Ein paar Tage später kam ein Interessent auf der Suche nach einem Pferd vorbei und schaute sich auf Meadowland um.
Jamie: „Gillian, Das ist Sir Modde. Er sucht ein Pferd. Etwas Besonderes für seine Shows.“
Ich dachte sofort an Antino und zeigte ihn Sir Modde.
Sir Modde: „Ja etwas Besonderes, ein Hingucker. Nicht so ein abgehalfterter Klepper wie diesen hier. Ein junges, dynamisches Pferd ist das was ich brauche.“
Ich dachte nur – was für ein arroganter Schnösel. Er hatte sich Antino nicht einmal angeschaut, geschweige denn von seinem Können erzählen lassen. Es machte mich traurig und wütend, dass so ein wertvolles, engagiertes Pferd von den Leuten nicht einmal beachtet, sondern aufgrund seines Alters – verhöhnt wurde. Also beschloss ich etwas zu unternehmen. Ich meldete mich mit Antino bei einem Benefiz-Wettbewerb im Dressurreiten an. Stolz zeigte ich Jamie die Anmeldung.
Gillian: „Schau mal, was ich gemacht habe.“
Jamie: „Was?! Du hast Dich mit Antino zum Wettbewerb angemeldet? Ich freu mich schon, das zu sehen.“
Ich konnte es selbst kaum glauben … ich trat tatsächlich beim Benefiz-Wettbewerb an. Meine letzten Turniere ritt ich als Teenager. In diesem Alter war auch meine Konkurrenz hier. Dann starteten wir. Antino lief wie ein Schweizer Uhrwerk. Die ganze Atmosphäre – die er anscheinen noch gut kannte – feuerte ihn noch an. Wir legten einen 1A Ritt hin. Antino und ich belegten tatsächlich den ersten Platz. Das lag allerdings eher an ihm, als an meinen eingerosteten Dressurkünsten. Bei der Ehrenrunde klatschte das Publikum rasend und auch Antinos Name wurde gerufen. Anscheinend hatten ihn nicht alle vergessen und kannten ihn noch aus seiner Glanzzeit. Ich hatte am ganzen Körper Gänsehaut wegen der Freude, dass Antino so geehrt wurde. Ihm gefiel es auch, was er mit einem perfekt versammelten Galopp im Takt der Musik zeigte. Vorm Ausgang der Dressurhalle wartete Sir Modde.
Sir Modde: „Gillian, ich habe es mir überlegt. Ich kaufe dieses Pferd. Das Alter spielt keine Rolle.“
Gillian: „Richtig Sir Modde, das Alter spielt keine Rolle. Aber dieses Pferd verkaufe ich Ihnen nicht. Es ist ein ganz besonderes Pferd und hat deshalb auch einen ganz besonderen Besitzer verdient – was Sie definitiv nicht sind.“
Wir ließen ihn stehen, gingen weiter zum Transporter und ich freute mich, Antino zu Hause mit ein paar Extra-Leckerlies zu belohnen.